Kefas Welt

aus dem Leben einer Referendarin

Angst und Glaube

Posted By Kefa on 17. Mai 2009

Ich danke den Beteiligten für eure Antworten zu meiner Angst-Frage. Inzwischen habe ich meine Prüfung überstanden und eine 1,0 bekommen. :)
Interessant ist, dass Kinder und Erwachsene gar nicht so unterschiedliche Ängste haben. Außerdem ist festzustellen, dass sich die Kinderängste von den 70er Jahren bis heute verschoben haben (Kinderängsten in der Grundschule begegnen, Itze 2007).
Hatten die Grundschulkinder früher eher noch Angst vor schulischem Versagen oder Problemen, Imageverlust bei Mitschülerinnen/Mitschülern oder “Mobbing”, so haben die Kinder heutzutage Angst vor Terror, (Umwelt-)Katastrophen oder Verlusten in der Familie (“neuartige” Krankheiten, Unfälle).
Diese Verschiebung ist auf die Medien zurückzuführen, man ist bei weltweit stattfindenden Katastrophen, Terroranschlägen oder Verbrechen wie Misshandlung oder Entführung heute “live dabei”, man bekommt die Bilder rund um die Uhr geliefert. Sie erreichen einen viel stärker und intensiver (Bilder, Berichterstattung). Man hat weniger Abstand dazu.
Ich denke, dass dies allerdings auch Erwachsene betrifft. Die Angst vor Terrorismus wird meines Erachtens sogar noch absichtlich verstärkt, obwohl es dafür keinen Grund gibt (aber das ist ein anderes Thema).

Ich habe jedenfalls festgestellt, dass das Thema ein sehr umfangreiches und spannendes ist, allerdings muss man äußerst behutsam vorgehen und man sollte darauf vorbereitet sein, dass man bei Grundschülern in dem Bereich auch einiges zutage fördern kann, was die eigenen Kompetenzen übersteigt. Wie geht man damit um, wenn man bei solch einer Unterrichtseinheit versteckte Hilferufe von Kindern wahrnimmt? Deutet man die Signale richtig? Wo kann man sich / dem Kind Hilfe holen?

Andererseits gibt es in einer vertrauensvollen Klassenumgebung auch viele Möglichkeiten, Kindern zu helfen, mit ihren Ängsten umzugehen, indem sie darüber kommunizieren können und man ihnen verschiedene Handlungsmöglichkeiten aufzeigt. Alleine die Erkenntnis, dass die anderen Kinder auch (womöglich sogar die gleichen) Ängste haben, kann einem helfen, weil man auf einmal sieht, dass man nicht alleine damit da steht. Außerdem gehört die Angst zu der Entwicklung dazu und man muss Angst haben und diese überwinden, um sich weiter zu entwickeln. Sowohl nicht verarbeitete als auch zu früh erfahrene Ängste behindern einen im späteren Leben. Angst schützt uns in Gefahrensituationen.

Ein interessanter Aspekt im Bezug zum Biblischen Geschichtsunterricht (in dem ich ja die Prüfung gemacht habe) ist das Zitat des Prüfers: “Angst schafft Glaube”. Der Glaube hilft einem dabei, Angst zu überwinden. Für ihn hat sich jede Religion, die mit Angst arbeitet, selbst ad absurdum geführt, denn in dem Moment ist sie nicht mehr dazu da, dem Menschen ein angstfreieres Leben zu bescheren.

Was mich dabei irritiert: wenn man weiß, dass der Glaube “nur” dazu da ist, einem die Angst zu nehmen, folgere ich daraus, dass der Glaube nur Mittel zum Zweck ist. Dann weiß ich ja, dass das alles “nur ausgedacht” ist, wie kann ich dann denken, dass mir das hilft?? Dann manipuliere ich mich doch nur selbst, um meine Angst zu lindern. Habe ich sie dann wirklich verarbeitet?

Tjaja, spannendes Thema, wir haben viel diskutiert in der Prüfungsvorbereitung. Vielleicht habt ihr jetzt ja auch noch ein paar Gedanken dazu. Ich würde mich freuen, sie zu hören. ;-)

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Comments

4 Responses to “Angst und Glaube”

  1. Baum sagt:

    Ein aufwühlendes Thema… Leider stoße ich bei so was rhetorisch gesehen immer schnell an meine Grenzen. Was mir zur Aussage “Angst schafft Glaube” spontan einfällt: Angst ist auch immer ein gutes Machtinstrument, das die “erfolgreichen” Religionen dieser Welt (wovor kann man mehr Angst haben, als vor einem launischen, allmächtigen Gott und einem nur unwesentlich einschüchternderen Teufel? ;-) ) stets sehr gut einzusetzen wussten.

    Die Angst vor einer imaginären Terror-”Gefahr” wird unter den Menschen zur Zeit sicherlich aus keinem anderen Grunde aufrechterhalten, aber das ist wirklich ein anderes Thema… ;-)

  2. Kefa sagt:

    Ja, was mich tatsächlich dabei erstaunt hat, ist, dass theologische Angsttheorien teilweise davon ausgehen, dass der Glaube und die Religion dazu da sein muss, dem Gläubigen ein angstfreieres Leben zu bescheren. Darum auch die Aussage, jede Religion, die Angst als Machtmittel missbraucht, führt sich selbst ad absurdum. Sie erfüllt nicht den Zweck, den Religion haben soll. Und jetzt kann man sich mal fragen, welche Religion nicht mit Angst arbeitet…

  3. gunni sagt:

    “Angst schafft Glaube”.

    Endlich mal jmd der die Wahrheit sagt. Warum auch sonst wird noch der Kirche die Drohkulisse Hölle / ewige Verdammnis aufgebaut. Immer schon fleissig der Kirche Geld geben, damit man ja nicht in die Hölle kommt. ^^

    Der Glaube ist doch nur die Flucht aus einer Situation, die man nicht selber mehr beherrschen / erklären kann. Sowas kann nicht sein also muss es Gottes Wille sein und vergleichbares hört man ja oft genug.

  4. Kefa sagt:

    Wenn man sich mit Theologie beschäftigt, hat man manchmal das Gefühl, das, was die Allgemeinheit von den Religionen zu sehen und hören bekommt, ist das, was Terry Pratchett als “Lügen für Kinder” bezeichnen würde. Die wenigsten meiner Dozenten glauben bspw., dass Jesus wirklich so existiert hat, wie es beschrieben wird. Man muss immer schauen, in was für einer Zeit sind die Texte entstanden, wie haben die Schreiber gelebt, was hat sie bewegt und was wollten sie damit sagen. Ganz zu schweigen von dem Problem der Abschreiber, die oftmals ihren ganz eigenen Kram dazugedichtet haben.
    Ich würde die Flucht in den Glauben nicht unbedingt so negativ sehen. Vielen hilft es einfach und sie finden im Glauben Halt. Negativ ist es nur dann, wenn man das Wissen darum zu seinem eigenen Vorteil ausnutzt.

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