Kefas Welt

aus dem Leben einer Referendarin

Welchen Sinn haben eigentlich Leserbriefe?

Posted By Kefa on 26. Juni 2008

Diese Frage hab ich mir am Wochenende gestellt, als ich von einem ziemlich großen Missverständnis hörte, welches ein gekürzter Leserbrief hervorrief. Aber ich fange besser von vorne an.

Man kennt natürlich die Formulierung “Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe zu kürzen”. So etwas in der Art steht ja meistens in der Leserbriefabteilung einer Zeitung. Doch wer entscheidet eigentlich, wie viel gekürzt werden darf? Handelt es sich bei den Kürzungen um unwichtige Nebensätze oder wird sogar so weit gekürzt, dass der eigentliche Sinn des Leserbriefes fast nicht mehr zu erkennen ist? Wird aus Platzgründen gekürzt oder weil man dem Brief einen anderen Tenor geben möchte, weil man die eigentliche Aussage nämlich nicht so gerne hat?

Und nach dem folgenden Beispiel frag ich mich: Wie ernst kann man Leserbriefe noch nehmen, wenn man weiß, dass diese so gekürzt werden, dass die eigentliche Aussage des Briefes total entstellt wird?

Mich hat diese Frage natürlich besonders interessiert, weil ich durch meinen Blog auch ständig meine Meinung in die Welt hinaus posaune. Meine Leserschaft ist zwar nicht zu vergleichen mit der einer Tageszeitung, aber trotzdem haben auch sie die Möglichkeit per Kommentar mir ihre Meinung zu meinen Beiträgen mitzuteilen. Und ich habe mir zum Beispiel vorgenommen, Kommentare nicht zu zensieren oder zu kürzen. Bisher habe ich alle Kommentare so stehen lassen, wie sie waren und ausschließlich bei merkwürdigen Eigenwerbung-Kommentaren den Link entfernt, insbesondere dann, wenn ich den Eindruck hatte, dass der Kommentar nicht wirklich zum Thema passte (Gerade heute übrigens wieder passiert).

Ansonsten kann hier jeder seine Meinung schreiben und wenn ich eine andere Meinung habe, dann füge ich sie eben auch noch hinzu. Solange hier keiner ausfallend wird, ist das alles kein Problem und die anderen Leser können sich dann ihren Teil dazu denken.

Auf größeren Blogs, die ich gerne lese, wird das auch so gehandhabt und ich finde, es gehört irgendwie dazu, dass man sich der Kritik und den Hinweisen der Leser stellt. In meinen Augen ist es sehr unglaubwürdig, wenn in den Kommentaren zensiert und gezielt gelöscht wird.
In Zeitungsleserbriefen wird das allerdings scheinbar gemacht. Als kleines Beispiel möchte ich da die Geschichte anbringen, die mir mein Vater am Wochenende erzählte.  Er wollte das Kindermusical “Das große Kolumbuslied” besuchen, welches der Kinderchor aufführte. Der Chor sollte von einer Instrumentalgruppe begleitet werden. Leider fiel ganz spontan der Pianist aus, und die Chorleiterin Meike Dunkel fragte meinen Vater, ob er nicht einspringen könne. Er stimmte natürlich zu und spielte bei der Aufführung mit, anstatt im Publikum zu sitzen. Alles klappte ganz hervorragend. Da diese Änderung so spontan war, wurde natürlich das Programm der Veranstaltung nicht mehr abgeändert.
Als nun im Delmenhorster Kreisblatt (dk) am 11.6.2008 das Musical besprochen wurde, wurde auch die Instrumentalgruppe lobend erwähnt. Die Musiker wurden sogar namentlich genannt und ihre Leistungen gewürdigt. Erstaunlicherweise las mein Vater allerdings nicht seinen Namen, sondern den des kranken Pianisten in dem Bericht. Der Artikel war so geschrieben, als hätte der Junge tatsächlich gespielt. Nicht, dass er nun unbedingt in die Zeitung gewollt hätte, aber die Tatsache, dass der Reporter scheinbar gar nicht anwesend war und somit auch gar nicht wissen konnte, wer da eigentlich am Klavier saß, hat ihn tierisch aufgeregt, so dass er einen Leserbrief verfasste.
Das dk hat den Brief tatsächlich abgedruckt und zwar in folgender Form:

dk-fassung-2-vom-leserbrief-130608.jpg

dk 13.6.2008
Dieser Leserbrief hatte zur Folge, dass einige Kollegen aus der Musikschule nun dachten, mein Vater würde sich darüber aufregen, dass er nicht namentlich in der Zeitung genannt wurde. Dass der Reporter einen recht peinlichen Fehler gemacht hatte und mein Vater darauf humorvoll, aber in aller Deutlichkeit hinweisen wollte, kam so überhaupt nicht bei den Lesern an. Denn eingereicht hatte er folgende Version des Briefes:

Leserbrief zum Bericht im Delmenhorster Kreisblatt über das MSD-Kindermusical „Das große Kolumbuslied vom 11. 06. 2008

Eine „Fata Morgana“ im Musical

Für das Lob in der Besprechung der Kindermusicalaufführung des MSD-Kinderchores bedanke ich mich herzlich. Ich freue mich, dass ich mit meinen instrumentalen Mitstreitern „einen rundum positiven Eindruck“ hinterlassen habe. Nur leider erhielt ich in der Besprechung einen völlig neuen Namen! Der dort genannte Henry Behlmer (Klavier) konnte nämlich leider aus Krankheitsgründen nicht an der Aufführung teilnehmen, obwohl er lange und zuverlässig dafür geprobt hatte. Und ich habe diesen auf Wunsch von Frau Dunkel kurzfristig am Klavier vertreten. Mich als ehemaligen Musikschulleiter mit Henry zu verwechseln fällt schwer zu glauben, schon wegen des Bartes! Wie konnte das also geschehen?

War der Rezensent des DK vielleicht gar nicht in der Veranstaltung und hat etwas besprochen, was er gar nicht gehört hat? Es gibt nämlich auch das Gerücht, dass dieser häufig in Veranstaltungen diese schon in der Pause verlässt und den 2. Konzertteil nur nach der Programmvorlage bespricht!? Aber das alles kann ich ja nun wirklich nicht glauben, ich vermute als Grund eher eine „Fata Morgana“!
Helmfried Röder
(ehemaliger Musikschulleiter der MSD)

Das, was der Reporter sich da geleistet hat, ist ziemlich peinlich und in meinen Augen wäre da eine Entschuldigung von Seiten der Zeitung angebracht gewesen anstatt den Leserbrief so zu verändern, dass die eigentliche Aussage nicht rüber kommt. Leider kenne ich diese Problematik der Musikbesprechungen nach Programm nur zu gut aus eigener langjähriger Erfahrung in Bezug auf Auftritte von der Musikschule (Vorspiele, Musicalaufführungen mit dem Jugendchor oder Konzerte  mit dem NN-Orchester). Es gibt öfter mal Reporter, die in der Pause einfach gehen und den Rest nach dem Programm beschreiben.

Ich denke, genau an dem Punkt entwickeln wir uns in Punkto Medien gerade in eine neue Richtung. Die Tatsache, dass jede Privatperson heutzutage ihre Meinung im Internet veröffentlichen kann und dass die Vernetzung so groß ist und vor allem einfach vonstatten geht, macht es den alteingesessenen (Print)-Medien schwerer, ihre ganz persönliche Sicht der Dinge als einzige Wahrheit darzustellen.

Darum bin ich froh, dass ich dieses kleine Beispiel hier mal anbringen und richtig stellen konnte.

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Comments

One Response to “Welchen Sinn haben eigentlich Leserbriefe?”

  1. [...] internetwohl nicht nur in Deutschland, USA und China so, sondern praktisch in jedem Land der Welt. Politiker haben anscheinend panische Angst davor, daß jeder frei seine Meinung publizieren kann, so daß es praktisch jeder in jedem Land der Erde ebenso frei wieder lesen kann. Nun nützt es ihnen nichts mehr, daß sie mit ihrem einfältigen Gelaber die Massenmedien beherrschen. Früher waren Andersdenkende ja praktisch mundtot. Was konnten die schon schon groß machen? Höchstens Leserbriefe an irgendwelche Tageszeitungen schreiben, die dann von denen weggeworfen, oder direkt an die Stasi weitergeleitet wurden. Aber seit es das Internet gibt, ist das halt wie einen Sack Flöhe hüten! Jetzt kann sich jeder Depp selber eine Strato-Homepage zusammenstümpern und darauf sein Weltbild veröffentlichen. Nun versuchen alle Politiker-Nieten krampfhaft, irgendwie die Kontrolle zurückzubekommen, obwohl das gar nicht geht. Dazu braucht man “Filter”, Sperren, Vorratsdatenspeicherung, Onlinedurchsuchungen, Jugendschutz, Bundestrojaner und noch vieles mehr, sonst kriegt man ja die vielen Kinderpornos, Terroristen und Schwarzkopierer nie in den Griff. Ach ja, und die Glücksspiele. (Hätt ich fast vergessen.) Kurz, jedes Mittel ist recht, um unter dem Deckmäntelchen der Sicherheit durch die Hintertür verfassungswidrige Zensur-, Spitzel- und Kontrollmechanismen zu installieren. Tja, liebe Leute, da hilft nur eins: das Internet weltweit komplett verbieten und sperren. “Terroristen kommunizieren über das Online.” (Wolfgang Schäuble) Damit wäre es dann endgültig vorbei. Aber dann kann die Perle der Uckermark leider auch nicht mehr ihre peinlichen Podcasts ablassen. Man kann eben nicht alles haben. Trollplonk Mein Name istProgramm. [...]

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