Kefas Welt

aus dem Leben einer Referendarin

Eine etwas andere Hochzeit I

Posted By Kefa on 4. September 2006

Die Anreise

Am letzten Wochenende waren wir zu einer besonderen Hochzeit eingeladen. Eine Freundin von mir aus der Schule hat endlich ihren Traumprinzen gefunden und möchte eben diesen nun auch ganz offiziell als Ehemann vorstellen können.

Wir waren schon im Vorfeld ziemlich gespannt auf das Wochenende, denn die Einladung klang viel versprechend: Die Hochzeit sollte auf Schloss Beesenstedt stattfinden, welches dem Brautpaar und der Hochzeitsgesellschaft das ganze Wochenende zur Verfügung stehen sollte. Man konnte sich schon vorher ein Bild von der ganzen Geschichte machen, denn hier wird das Schloss vorgestellt.

Ganz gespannt sind wir also am Freitag Mittag in Bremen losgefahren. Fenris und ich konnten glücklicherweise bei meinen Eltern mitfahren und so ein wenig Sprit sparen. Die Fahrt verlief relativ problemlos, bis auf ein paar (ca. 20) Kisten Becks, die wohl auf der Autobahn einen mitunter 24 km langen Stau verursachten. Als wir allerdings eine Ausweichroute raussuchen wollten, stellten wir fest, dass wir eh schon an einem Autobahnkreuz falsch weitergefahren sind und uns somit bereits auf der potentiellen Ausweichroute befanden. Einen etwas längeren Zwischenstop legten wir in Marienborn ein, wo sich die „Gedenkstätte Deutsche Teilung“ befindet. Das war schon ziemlich beeindruckend, vor allem, weil ich als Kind nie in die ehem. DDR gereist bin und mir das eigentlich alles gar nicht vorstellen konnte. Leider konnten wir nicht alles erkunden, denn wir hatten noch einen längeren Weg vor uns und wir wollten das Grillen am Abend ja auch nicht verpassen. Die restliche Reise verlief ebenfalls ohne größere Hindernisse: wir überquerten die Saale mit einer kleinen Autofähre und einigen wurde ganz anders im Auto, aber da alles so schnell ging, war man schon wieder an Land, bis einem richtig übel werden konnte. Als wir schon fast da waren, hatten wir noch mit der fehlenden Beschilderung zum Schloss zu kämpfen, aber glücklicherweise hatten wir mehrere Wegbeschreibungen dabei. Obwohl der Ort Beesenstedt nicht allzu groß war, hatten wir dann noch Schwierigkeiten, das Schloss zu finden. Wir machten uns dann auch gleich zum Horst, als wir eine Gruppe Jugendlicher in einer Bushaltestelle ansprachen und nach dem Weg fragten: Die Bushaltestelle befand sich DIREKT vor dem Schloss… Ein paar Meter weiter hätten wir wohl an den Büschen vorbei das Schloss erspäht.

Freitag Abend

Wir sind also wohlbehalten angekommen und staunen erstmal nicht schlecht über das Anwesen. Gleich im Eingang treffen wir auch die Braut und bei der Suche nach einem Schlafplatz für Fenris und mich sehen wir auch schon ziemlich viel vom Schloss: Man betritt zunächst eine riesige Eingangshalle (die übrigens NICHT der Hautpeingang ist, wie wir später erfahren) mit Kamin und Bar, von der aus man schon einen Blick in ein Billardzimmer erhaschen kann. Überall gehen Gänge ab, die Decken sind unglaublich hoch und ein Kronleuchter beleuchtet den nächsten. Wir sind beeindruckt. Eine große Treppe führt uns nach oben, wo man auch schon den Festsaal einsehen kann, der noch größer ist. Überall wuseln Leute rum, die noch schmücken oder etwas vorbereiten und es tummeln sich schon die ersten Gäste auf den Fluren. Nachdem wir durch die Flure der drei Stockwerke gescheucht wurden, um ein geeignetes Zimmer zu finden und die Eindrücke nur so auf uns niederprasselten („Hier is noch n Bad!“, „Da schlafen wir!“, „Dort hinten ist der Haupteingang!“, „Hier kommt man wieder raus/rein/runter/rauf…“), hatten wir alle Wegweisungen wieder vergessen, aber endlich sahen wir unser Zimmer. Wir hatten uns extra eines von vieren in der Nähe eines Bades ausgesucht, allerdings nicht das, direkt davor, damit nicht jeder Hans und Franz bei uns durch muss (haben später festgestellt, war trotzdem keine günstige Wahl). Das Bad hatte sogar eine Badewanne und eine Dusche. Unser Zimmer war recht einfach ausgestattet, aber es reichte vollkommen aus. Wir hatten ein Doppelbett, einen ziemlich coolen, ebenfalls riesigen Wandschrank (mit ziemlich viel Krams drin, aber für die feinen Klamotten reichte es), eine alte Kommode, einen kleinen Tisch mit zwei Stühlen und zwei Spiegel. Schnell hatten wir unser Sack und Pack ins Zimmer gebracht und machten uns auf einen Rundgang durch das Schloss. Wir sind so ziemlich in jeder Ecke gewesen, wo man hin durfte. Wir entdeckten eine Sauna, einen roten und einen blauen Salon, überall uralte Möbel, mehrere Flügel, Kamine, Gemälde, Büsten und die alte Großküche. Als wir uns auf eine Außenerkundungstour begaben, kletterte Fenris in ein Gemäuer, wo ich alleine wahrscheinlich gar nicht rein gegangen wäre, weil das so unheimlich wirkte. Als wir aber die alte Steintreppe hoch gekraxelt waren, kamen wir in ein ziemlich cooles „Kino“ im ersten Stock des Gemäuers. Es waren Stuhl- und Sofareihen aufgebaut und am Ende hing eine riesige Leinwand. Der Projektor stand noch eine Etage höher in einem Kabuff, in das wir dann aber doch nicht mehr gingen.

Nach der beeindruckenden Tour haben wir es uns erstmal auf der Dachterasse mit einem Bierchen gemütlich gemacht und auf den Grill gewartet.

Je später es wurde, desto mehr Gäste kamen an, man sah viele neue, und auch einige bekannte Gesichter. Etwas verspätet konnten wir uns endlich den Bauch voll schlagen, was wir auch voll ausgenutzt haben. Man benötigt schließlich eine ordentliche Grundlage für den weiteren Abend. Es gab natürlich neben Fleisch und Würstchen viele unterschiedliche Salate, die alle recht lecker waren. Einzig und alleine der Harzer Roller Salat traf nicht ganz meinen Geschmack und ich habe es leider erst gerochen, als ich schon einen ordentlichen Schlag genommen hatte :-/

Wir verbrachten den ersten Teil des Abends mit gemütlichem Beisammensein auf der Dachterasse oder im Festsaal bzw. an der dahinter gelegenen Theke. Man tauschte Neuigkeiten mit den Leuten aus, die man schon ewig nicht mehr gesehen hatte oder lernte den Freundeskreis und Familie der Brautleute besser kennen. Schließlich wurde hinter dem Schloss ein Feuer angezündet, zu dem sich nach dem Essen immer mehr Leute gesellten. Als dann auch noch jemand die Gitarre auspackte und die ersten Lieder angestimmt wurden, fand dieser Platz immer mehr Zustimmung. Schließlich saßen wir mit Gitarre, Akkordeon, Bongos, Klarinette und Gesang am Feuer und wälzten die mitgebrachten Liederbücher der Musiker, um bekannte Stücke zu finden und zu spielen.

Je später der Abend, desto durstiger die Gäste, oder so… Fenris und ich jedenfalls probierten uns durch tschechisches und deutsches, dunkles und helles Bier. Nachdem wir wieder rein gegangen waren, blieb recht schnell nur noch ein harter Kern zurück, der sich schließlich um einen Pianisten drängte, der auf dem Flügel vor der Theke seine selbst komponierten Stücke zum besten gab. Die Brautleute gingen irgendwann ins Bett, obwohl noch immer Gäste erwartet wurden, die leider aufgrund von unglücklichen Umständen einen Flieger verpasst hatten. Der „harte Kern“ versicherte ihnen allerdings, dass sie die Gäste auch zu noch späterer Stunde in Empfang nehmen würden.

Ich gehörte übrigens nicht zum harten Kern, denn mir wurde plötzlich schlagartig bewusst, dass ich dringend ins Bett gehöre und KEIN weiteres Bier mehr vertrage, wenn ich am nächsten Morgen bei der Hochzeit anwesend sein wollte. Fenris hingegen hielt wohl durch und war dabei, als die englischen Gäste endlich (um 4:30??) ankamen und ihre Schlüssel bekamen. Ich habe nur aus Erzählungen gehört, dass es wohl noch recht lustig war, feuchtfröhlich natürlich, und dass einige sich auch noch mit Taschenlampen bewaffnet auf den Weg in den potentiellen Kerker (war leider doch keiner) machten.

…Fortsetzung folgt…

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Comments

8 Responses to “Eine etwas andere Hochzeit I”

  1. fenris sagt:

    ich war ja nu auch mit dabei, und ich bin immer noch ganz baff von dem wochenende. in der einladung stand was von rustikalem flair, das trifft es ganz gut, das schloss ist stellenweise ziemlich heruntergekommen. der besitzer versucht es instandzusetzen, aber bei einem anwesen mit ueber 100 zimmern geht das natuerlich nur langsam und schrittweise. dementsprechend waren die zimmer recht spartanisch eingerichtet (nichtsdestotrotz vollkommen ausreichend), sanitaere einrichtungen weit verstreut usw.
    aber das tat dem ganzen ueberhaupt keinen abbruch, ganz im gegenteil. man durfte ueberall hin, sich alles anschauen und und und. wo bekommt man denn mal die gelegenheit sich so frei ein schloss anzusehen, da sind kindheitstraeume wahr geworden. ;)
    also das war nicht nur fuers hochzeitspaar was ganz besonderes, auch fuer mich. deswegen auch von dieser stelle nochmal danke fuer die einladung an die adresse von sascha und fleur, vielleicht verirren die sich ja auch nochmal hierher. ;)

    munte erstmal

  2. Fleur sagt:

    Hey-endlich hab ich mal die Zeit auf die Seite zu schauen und aus Deiner Sicht darüber zu lesen.Danke,ich hab bislang nichts bereut,aber wenn ich es nochmal tun müßte,würde ich vielleicht den weddingplaner engagieren..haha.Nur dann wärs was gant anderes geworden.
    Das Einzige,was mich gestört hat,war der DJ,der dann nur noch seinen Elektro Kram spielte,was alle ziemlich nervte,die tanzen wollten,aber ich war da schon zu kapuut,um mich noch darum zu kümmern.
    Bis bald
    Fleur

  3. Kobold 140 sagt:

    Klingt auf jeden Fall nach einer lustigen Erfahrung und mit netten Leuten ist doch jedes Fest gut. Übrigens versteckt sich glaube ich hinter rustikaler Flair meist eine Unterkunft oder ein Restaurant, das noch etwas Arbeit vertragen kann. Ist glaube ich so was ähnliches wie solide Hausmanskost ;) .

  4. Kefa sagt:

    Mensch, machst du Werbung, Kobold 140? Hätt ich nicht gedacht, dass Vorwerk schon so weit gesunken ist, um Spam Kommentare verfassen zu müssen…
    Link wurde entfernt. ;-)

  5. Andre sagt:

    Was für eine traumhafte Kulisse zum Heiraten. Ich hab mir schon die Homepage von Beesenstedt angesehen – sieht klasse aus. Was der Spaß wohl kostet?

  6. Michaela sagt:

    Toller Bericht. Lässt sich sehr gut lesen und macht neugierig. Da hast du ja einiges erlebt :-) Eine lustige Erfahrung, schön dass du diese mit uns teilst.

  7. Ina sagt:

    Hallo! Ein sehr schöner Bericht, den zu lesen ich sehr genossen habe. Vermisse allerdings ein paar Fotos. Kommt da noch was? Würde mich echt freuen! Ansonsten beneide ich euch tierisch um die tolle Reise und natürlich um die Hochzeit selbst. ;)

  8. Kefa sagt:

    Aufgrund von echt dämlichen Werbekommentaren werd ich die Kommentarfunktion hier mal abstellen. Wer zu dem Beitrag von 2006 was Sinnvolles sagen möchte, möge mir mailen. ;-)
    Mein “Dank” geht an Ina, Michaela, Andre und Kobold 140 aka Vorwerk.

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