Kefas Welt

aus dem Leben einer Referendarin

Staatliche Jugendschutzbehörde

Posted By Dennis on 15. April 2007

Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) mußte sich wieder einmal populistisch profilieren machte von seinem Recht Gebrauch, die Forderung zu stellen, daß eine staatliche Prüfstelle für Computer Spiele geschaffen werden muß. Er sieht diese Forderung darin begründet, das die freiwillige Selbstkontrolle der Wirtschaft (USK) gänzlich versagt habe, da ja selbst, in seinen Augen, brutalste Video Spiele eine Jugendfreigabe ab 16 bekämen. Als Beispiel mußte hier wieder einmal Grand Theft Auto – San Andreas herhalten, in denen es möglich sein soll, Menschen mit Kettensägen zu zerfleischen. Die Reaktion des Pressesprechers des Herstellers liest sich wie folgt:
Jochen Färber, Pressesprecher Take2:

„Es gibt in dem Spiel eine Kettensäge und wenn man mit ihr Menschen berührt, fallen sie um. Brutalste Tötungsszenen sind nicht möglich, man kann keine Gliedmaßen absägen oder so etwas.“

Und als Gelegenheitsspieler kann ich dies bestätigen. Sicher, solche Szenen sind nicht gerade sanft, aber die Darstellung hält sich doch in Maßen, und es ist ja auch kein zentraler Inhalt das Spiels. Man kann das einmal 5 Minuten lang in geschätzten 50 Stunden Spielzeit, die man bräuchte, zumindest ich ;) , um das Spiel durch zuspielen, machen.

Aber es geht mir gar nicht so sehr darum, welche Spiele hier fürs Dreckwerfen und Anbiederei an Ahnungslose, Besorgte und Berufsbetroffene herhalten muß. Es geht darum, wen Herr Schünemann gerne damit beauftragen will, die Spiele in Staates Namen zu prüfen. Er denkt da nämlich mit nichten an geschulte Beamte, welche objektiv abwägen, sondern an Pastoren, Sozialarbeiter und Kriminologen. Inwiefern ein Pastor überhaupt in der Lage ist Dinge zu beurteilen, die nicht in seine Sicht der Welt und die seines Konzerns passen, ist für mich jedenfalls mehr als fraglich. Zu mal gerade diese Gruppen den größten Anteil an den gesellschaftlichen Scharfmachern stellen, die hinter auffälligen Jugendlichen grundsätzlich mangelnde christliche Werte sehen. Zu mal diese ja auch den größten Teil der Anzeigen bei der BPjM stellen.

Das führt dann gleich weiter: was ist denn die BPjM?

Kurz bei Wikipedia geforscht (das dürfte bei dieser Frage als Quelle seriös genug sein)…

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM), ehemals Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS), ist eine deutsche Bundesoberbehörde mit Sitz in der Stadt Bonn, die dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nachgeordnet ist. Ihre Zuständigkeit liegt in der Prüfung und Aufnahme jugendgefährdender Medien in die Liste jugendgefährdender Medien („Indizierung”). Sie dient dem medialen Jugendschutz.

Für mich klingt das doch ganz nach der erhofften staatlichen Stelle für Jugendverbot. Sogar die von Herrn Schünemann vorgeschlagenen Pastoren sind da im 12er Gremium vertreten. Nur an den Kriminologen hapert es noch ein wenig. Die können auch viel besser Einfluss nehmen, in dem, nachdem Jugendliche mit extremer Gewalt aufgefallen sind, und deren Rechner durchsucht worden sind, ob sich da nicht wenigstens Irgend etwas, das wie ein Killerspiel aussieht, finden läßt, aufgehört wird nach weiteren Motiven zu suchen. So wie im Fall der zwei 17jährigen Mörder im mecklenburgischen Tessin der ganz klare Auslöser das gar widerlichste Killerspiel Final Fantasy 7 war.

Fazit:

Herr Schünemann, vielleicht sollten sie ja mal einfach mal die “Ursula” anrufen. Das ist die Bundesministerin für Mamas, Kinderkrippen und Sozialzeugs, aber sicher kennen sie die ja noch aus ihrer Zeit im niedersächsischen Landtag. Der Ursula untersteht auch die BPjM. Die ist auch schön verstaubt und übereifrig, die Ärzte können da ein Lied von singen. Vielleicht merken sie dann ja wie unsinnig ihre Forderung nach etwas ist, das bereits existiert. Wobei ein gewisser Optimierungsbedarf noch besteht. Bis jetzt darf die BPjM noch nicht alles was ihr nicht passt aus eigenem Antrieb verbieten, sondern muß warten bis jemand endlich eine Anzeige erstattet.

(Das Zitat von Herrn Färber habe ich selber zitiert, und zwar von ComputerBase)

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Comments

4 Responses to “Staatliche Jugendschutzbehörde”

  1. Chilli sagt:

    Hm, da versagt also (angeblich) eine Institution, doch anstatt diese zurechtzuweisen wird gleich eine neue Institution gefordert, angepasst an die eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Was soll das sein? Sicherheit durch Redundanz? Da wurde dann aber gründlich etwas mißverstanden.

  2. Thorben sagt:

    So ist es momentan sehr häufig, anstatt zu guckem wie man bestehende Gesetze und Behörden einfach mal nutzen/ausnutzen/umsetzen/durchsetzen kann, wird “populistisch” nach neuen Gesetzen/Behörden/Verboten geschrien.

    Ein ums andere Mal ein Beweis für die Inkompetenz mancher Poltiker.

    By the way, über Ostern lief “Die Passio Christi” im freien TV. Wer sich über GTA auslässt (ohne es vermutlich jemanls gesehen zu haben) der sollte sich mal fragen wie so ein brutaler, Menschenverachtener Schrott in unser TV kommt und frei gezeigt wird (ja auch unter 18jährige können nach 22.00 noch Fernsehen gucken, das ist durchaus machbar).

  3. fenris sagt:

    guter vergleich, aber warum sollten bei der passion christi, hab den damals im kino geguckt (einfach nur schlecht, zwar schien blutig, aber ansonsten war alles andere schlecht), andere maßstaebe als bei private ryan, braveheart…
    ein bisschen pseudohistorischer anspruch, namhafte schauspieler oder regisseure und schwups, zuschauererfolg garantiert, und ne 16er freigabe um die einnahmen noch weiter zu optimieren.

    munte, fenris

  4. [...] Staatliche Jugendschutzbehörde [...]

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