Kefas Welt

aus dem Leben einer Referendarin

Veggiday und anderer Schwachfug

Posted By Kefa on 28. Januar 2010

Gestern habe ich erfahren, dass ab heute in Bremen jeder Donnerstag einVeggiday sein soll. Alle Bremer sollen an Donnerstagen kein Fleisch essen und so CO2 einsparen, weil Fleisch ein Klimakiller ist. Restaurants, Kantinen und Bildungsinstitutionen werden angesprochen, um sich daran zu beteiligen.

Als ich das gelesen und mich ein bisschen auf der VeggiDay-Seite umgeschaut hab, platzte mir dann doch fast der Kragen. Wenn ich nämlich eins nicht ab kann, dann ist das irgendjemand, der meint mir vorschreiben zu müssen, irgendwie zu handeln, nur weil er das für richtig hält. Meinetwegen sollen die ganzen Spinner alle donnerstags kein Fleisch mehr essen. Das ist mir echt scheiß egal. Aber ich lass mir doch nicht vorschreiben, wann ich denn bitteschön Fleisch esse und wann nicht. Mir ist durchaus bewusst, dass man nur wenig Fleisch essen sollte, was ich sowieso tue. Diese Aktion erinnert mich aber irgendwie an die vom letzten Jahr, wo alle Welt zu ner bestimmten Uhrzeit die Lichter für 5 Minuten ausgestellt hat. Wozu soll sowas gut sein? Um sein Gewissen zu beruhigen?

Ich finde, wenn man wirklich was für das Klima tun will, sollte man sich lieber informieren anstatt in blinden Aktionismus zu verfallen. Ja, ich weiß, dass die Fleischproduktion durchaus einen beachtlichen Teil zu der Verschmutzung beiträgt. Insbesondere die Massentierhaltung ist mir übrigens ebenfalls zuwider, das hat allerdings eher mit Tierschutz zu tun. Wenn alle Leute anstatt für möglichst billig Geld ne Supermarktwurst zu kaufen mal Wert darauf legen würden, dass die Dinge, die sie kaufen auch aus artgerechter regionaler Haltung kommen würden, wären wir schon einen Schritt weiter. Das Problem ist doch nicht, ob man einmal in der Woche mehr  oder weniger Fleisch ist, sondern die generelle Einstellung zu den Produkten, die wir kaufen in Verbindung mit der Umwelt.
Hauptsache billig, Hauptsache ganzjährig.
Wieviel CO2 Ausstoß hat wohl eine Erdbeere im Winter?

Generell ist es doch so: Dinge, die kaputt gehen, werfen wir weg und kaufen neue. Repariert wird gar nichts mehr. Die Dinge werden gar nicht mehr so produziert, dass man sie reparieren kann, die halten auch nicht mehr so lange, dass sich reparieren lohnen würde. Passend dazu ist natürlich die Einstellung der Firmen. Die interessiert es doch nicht, ob sie ihre Produkte umweltbewusst herstellen oder nicht. Hauptsache, die Kasse klingelt. Und der “dumme” Kunde kauft doch. Egal, ob es sich jetzt dabei um Lebensmittel handelt oder nicht. Und genau da wäre für mich der Ansatzpunkt. Wenn genügend Konsumenten Wert auf solche Dinge legen und entsprechend handeln würden, bekämen die Firmen das sicherlich zu spüren. Dazu benötigt man allerdings Aufklärung und das entsprechende Engagement überhaupt etwas ändern zu wollen. Aber wir sind ja alle so bequem. Uns gehts doch gut. Ich ess am Donnerstag kein Fleisch und habe meinen Beitrag geleistet. Ich halte so eine Einstellung für einen fatalen Fehler.

Wenn ich mir schon die hirnrissigen Energiesparlampen angucke, krieg ich zu viel. Für die Herstellung wird zehnmal so viel Energie benötigt wie für eine normale Glühbirne, insbesondere bei kurzer Nutzungsdauer (Flur, Klo, Durchgangszimmer) und häufigem An- und Ausschalten halten sie längst nicht so lange wie versprochen und sie sind Sondermüll, weil Quecksilber enthalten ist. Energiesparlampen sind das Allerletzte… aber sie heißen ja Energiespar und sind besonders teuer, das muss ja gut für’s Klima sein. Danke, ich habe meinen Beitrag geleistet…Das ist doch Bullshit!

Oder anderes Thema: Auto. Nicht so wie der Fleischverzehr in geringen Mengen ist nämlich das Brettern in Höchstgeschwindigkeiten mit einem dicken Auto essentiell wichtig zum Überleben des Menschen. Insofern ist es durchaus nachvollziehbar, dass Autos gebaut werden, die mehr als sagen wir mal 150 km/h fahren können (wenn dem so wäre, bräuchte man auch gar keine Höchstgeschwindigkeit einführen, muahaha). Stichwort Formel 1: ich sag mal so, die Ressourcen sind ja da, hau wech den Scheiß.

Letztens wurde mir bewusst, dass die offenen Stadien ja tatsächlich Rasenheizungen haben. Ra-sen-hei-zun-gen.

Ich finde, hier läuft generell was schief. Der Mensch an sich ist ein egoistisches Arschloch. So einfach ist das, meiner Meinung nach. Und so lange nicht jeder einzelne mal anfängt, selbst nachzudenken, was er mit seinem Handeln bewirkt und auch die volle Verantwortung dafür zu übernehmen, werde ich weiterhin solch ein Herdenverhalten kategorisch ablehnen.

Wegen dieser “Sturheit” gab es in meiner OS-Zeit übrigens sogar mal eine Klassenkonferenz. Ich hatte mich damals unkooperativ verhalten und wollte nicht, wie alle anderen auch, eine Pflanze mit in die Klasse bringen, weil ich wusste, dass die nachher eh keiner gießt und sie vergammelt (wie alle Klassenpflanzen zuvor auch schon). Ich habe so lange auf meiner Meinung bestanden, bis meine Eltern in die Schule bestellt wurden. Glücklicherweise standen die hinter mir und ich habe bis ans Ende meiner Schulzeit keine Pflanzen mit in die Schule gebracht. Seitdem reagiere ich allerdings wirklich allergisch, wenn ich etwas machen soll, nur weil alle anderen das ja auch machen.

Ich lasse mich nicht entmündigen.

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Comments

5 Responses to “Veggiday und anderer Schwachfug”

  1. spektrum sagt:

    Ich habe den Artikel noch nicht einmal zuende gelesen und schon sooo ne Krawatte.

    Ich glaube ich sollte anfangen mich geistig von dieser Gesellschaft zu lösen, weil ich sonst Gefahr laufe permanent meinen Kopf gegen jede Wand zu schlagen und aus jeder Tischkante ein Stück heraus zu beißen.

    Ds beste ist, dass die Leute die ständig behaupten das Fleisch ja ach so ungesund ist meist nicht einmal in der Lage sind zu erklären warum eigentlich. Ich kenne auch so jemanden der ist damals Vegetarierer geworden weils gerade ‘in’ war. Seine Ernährung bestand dann hauptsächlich aus irgendwelchen Fertiggerichten: Spinatpizza, Tortellini mit Käse-Spinatfüllung, McDoof, etc. Na das nenne ich denn mal eine gesunde Ernährung. Mahlzeit! :)

  2. Kefa sagt:

    Hehehe, dazu kann ich nur sagen, dass mein Schreibtisch bereits tiefe Bissspuren aufweist. ;-)

  3. Adirana sagt:

    *lachweg* welche os warste? an meiner gab es das auch, alle incl lehrerin brachten eine mit. und rate, wer sich um die der lehrein kuemmern musste. bingo: die schueler!

  4. Kefa sagt:

    Muahahaha…
    Ich war auf der Hermann-Allmers-OS, und du? :D

  5. Thorben sagt:

    Es ist wirklich nicht leicht heutzutage NICHT zum Zyniker zu werden und den ganzen Tag nur noch zu schimpfen. Soviel Schwachsinn hält doch echt kein Mensch mehr aus.

    Ich gebe Dir in den meisten Punkten recht Eva, nur bei den Energiesparlampen, da bin ich anderer Meinung. Aber who cares.

    Das mit dem Fleisch ist jedenfalls mal wieder ein echter Brüller :-)

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